So, nachdem man nun hier lange nichts
Neues von mir gehört hat mach ichs öffentlich: Ich habs während
der Klausurenphase im Jesus-Style probiert: 3 Wochen untertauchen nur
um jetzt wieder voll durchzustarten. Das in den Himmel kommen spar
ich mir für mein zweites buddhistisches Leben dabei auf.
Nach dem das Semesterende mit der
Abgabe der letzten Projektarbeit in Entrepreneurship ( zu deutsch:
Wie werde ich Unternehmer? ) beendet war ging es auf nach Siem Reap
in Kambodscha um dort zu begutachten was die alten Khmer so mit
Steinen anfangen konnten. Wir haben festgestellt, ein Weltwunder.
Denn, gebaut aus drei Gesteinssorten (Lateriten, Sandstein und noch
irgendwas, meine nicht vorhandenen Geologen-Freunde mögen mir
verzeihen;)) , befinden sich dort in der Angkor-Wat-Tempelanlage
mehrere unfassbar große und unbeschreiblich schöne Tempel,die , vor
Jahrhunderten errichtet, auch dank einiger Restaurationsarbeiten
Bestand haben. Die genaueren Daten zur Bauzeit und den Bedeutungen
der in den Stein gravierten Figuren kann man wohl erst nach Ende der
nächsten Woche erfragen, da es morgen nun auf eine Insel geht um
sich da die Haut verbrennen zu lassen. Der lonelyplanet-Reiseführer
wird mir dabei mein treuer Begleiter sein und dafür sorgen, dass ich
noch ein paar Infos mehr über Angkor Wat erhalte.
Aber in Siem Reap gibt es nicht nur
Tempel sondern unweit der Stadt liegen auch mehrere Wasserfälle. Da
man nur einen von ihnen mit dem Tuk-Tuk erreichen konnte, wählten
wir jenen und erreichten ihn nach 1300m felsigen Aufstiegs durch
einen schönen, jedoch relativ touristischen tropischen Wald. Oben
angekommen begab man sich unter das kühle Nass und sammelte nach dem
Beten im Angkor-Wat-Tempel weitere Karma-Punkte, denn das Wasser
läuft vorher über geheiligte Steine. Nichtsdestotrotz ist die Zahl
der Kambodschaner, die diesen Ort aufsuchen stetig fallend, da ihre
Kultur wohl Anstoß nimmt an Touristen die in Badeshorts oder Bikini
diesen Ort aufsuchen, eine Tatsache, die ich leider erst später
erfuhr von einem netten Guide der eine Privattour mit einem
mindestens genauso freundlich-interessanten Amerikaner machte.
Die letzten beiden Tage Siem Reap
wurden mit Fahrradtouren verbracht, wobei ich bei der ersten die
Gelegenheit erhielt auf einem Reisfeld kurz mitzuhelfen und
anschließend einem Reisbauern beim Ausladen seines Tuk-Tuks half.
Die Freundlichkeit der Menschen ist dabei herausragend, selbst wenn
die Englischkenntnisse mit dem Wort „rudimentär“ wohl noch sehr
geschönt sind zeigen sie einem doch immer ihre Wertschätzung, wenn
sie bemerken, dass ein aufrichtiges Interesse besteht. Manchmal hat
man das Gefühl Einkommensverhältnisse und Freundlichkeit sind in
einem entgegengesetzt-proportionalem Verhältnis. Besagter Reisbauer
ließ es sich nämlich auch nicht nehmen mir europäischem Vielfraß
gratis ein Gericht vorzusetzen und trotz meines natürlichen
Fassungsvermögens dabei glücklich zu wirken. :) Am zweiten Tag
erfuhr mein Reifen dann leider wie es ist wenn einem die Luft ausgeht
als ich gerade auf dem Rückweg von einem Bergtempel am Tonle Sap See
war ( ein scheinbar unendlich großer See, dessen Ausmaße selbst vom
Berg aus nicht auszumachen waren). Also ab dafür und 1km laufen um
in eine kambodschanische Fahrradwerkstatt zu kommen. Gemeinsam mit
dem ältesten Sohn der Familie flickte ich das Loch und ich zahlte
nicht mehr als einen Dollar während der Rest der Familie uns
neugierig beobachtete. Doch auf dem weiteren Weg sollte sich
herausstellen, dass ich nicht zuletzt lachte, denn die Speiche machte
erneut Bekanntschaft mit dem Erdboden und ich musste noch einmal in
eine zweite Werkstatt um dort nachwerkeln zu lassen. Auch diese
Reparatur kostete mich gerade mal einen halben Dollar. Geschafft wie
ich war stand natürlich anschließend der Gang ins lokale
„Fitnesscenter“ an. Eine Art alte Autowerkstatt war Heimat für
die einheimischen Kämpfer und Pumper, welche sich nahezu komplett
oberkörperfrei präsentierten. Der Frauenanteil lag mit 1 Frau im
gesamten Studio fast unter der Grasnarbe, was sich allerdings auch
durch den „Zustand“ der Sanitäranlagen vor Ort erklären lässt.
Eine wunderbare Atmosphäre also um sich dem Verausgaben hinzugeben.
Anwesend war auch David Oshima, ein wohl bekannter Personal Trainer,
der sich bei Erscheinen im Studio den Leuten vorstellte.
Nach diesen Eindrücken aus Siem Reap
hieß also Abschied nehmen für mich von meinen Reisebegleitungen, um
mich alleine hinaus in die Wildnis nach Sihanoukville zu wagen, wo
ich heute gegen 14 Uhr nach einer Alptraum-Busfahrt von 14 Stunden
Länge angekommen bin. Nach Ankunft begutachtete ich erst einmal mein
Hotelzimmer, was ich jedoch besser nicht all zu genau getan hätte.
Die Flecken auf den Laken ließen mich noch kalt, ebenso wie meine
beiden Mitbewohner mit 8 Beinen, die sich als so loyal erwiesen, dass
ich sie nur mit leichtem Nachdruck aus dem Zimmer bekam. Der Urinduft
welcher sich allerdings über die Wendeltreppe in mein Zimmer
schleicht ist kein Kompliment an den Geruchssinn. Dafür habe ich
einen kleinen Balkon mit zwei Stühlen und ein Bett was man positiv
ausgedrückt als „gut eingelegen“ bezeichnen könnte. Über die
Möglichkeiten im Bad lasse ich mich an dieser Stelle lieber nicht
weiter aus, da ich befürchte, dass sich manch einer meinen Bericht
beim Essen reinziehen könnte ( eigentlich selber Schuld, was
erwartet ihr von mir?! ;)). Also habe ich führerscheinloser Mensch
mir einen Roller gemietet und habe die Umgebung inklusive ihrer
zahlreichen Strände abgeklappert. Das Bestechungsgeld von 2 Dollar
an die örtliche Polizei für Fahren ohne Führerschein zahlte ich da
auch gerne, nur um es später noch einmal um 3 USD aufstocken zu
können, da ich in meinen vom Schwimmen nassen Boxershorts auf dem
Roller den Heimweg bestritt. Ich glaube, dass sämtliche 5 Dollar gut
investiert wurden, zwar weder in soziale Projekte noch eine erhöhte
lokale Sicherheit durch besser ausgerüstete Polizisten, sondern
vielmehr in die Bierbäuche der beiden Polizisten. Also alles richtig
gemacht :) Nach einem kurzen Bad am Otres-Beach den ich mit ein paar
Einheimischen für mich alleine hatte machte ich mich auf den Rückweg
über Straßen, die einer schwarzen Buckelpiste alle Ehre machen
würden um mir mein Fährticket und die Unterkunft für Koh Rung
Samloem zu sichern, wo ich die nächsten 5 Tage verleben werde. Zum
guten Abschluss des Tages gab es in diesem ebenso schönem wie
touristenverseuchten Ort einen leckeren echt türkischen Döner und
einen Nachtisch den man sich wohl so auch schwer vorstellen kann.
Vanilleeiskugeln an mit Schokosauce garniertem Schokoladenkuchen auf
welchen Knoblauchstreusel als Verzierung draufgeschmissen worden
waren (?!) . Not macht erfinderisch! Ich hoffe ihr habt gemerkt, dass
ich noch lebe und meine Vitalfunktionen in geringem Maße noch
vorhanden sind. Ich freue mich die meisten von euch live und in Farbe
wiederzusehen, denn manchmal fehlt ihr mir doch schon sehr. Ihr seid
tatsächlich leider unersetzbar! No-Homo! ;)
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